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Die wichtigsten Modelle
1940 - 1970
1970 - 2000
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Ausgewählte Fahrzeuge aus einem knappen Jahrhundert Alfa Romeo-Historie belegen technische Weitsicht


1910 – 20

Serienfahrzeuge:

Mit dem 24 HP verlässt der erste A.L.F.A. (Anonima Lombarda Fabbrica Automobili) das Fabrikgelände im Mailänder Stadtteil Portello. Dem Konstrukteur Giuseppe Merosi gelingt damit ein viel beachtetes Automobil, das sich deutlich von den in den vier Jahren zuvor auf dem Gelände entstandenen Darracq-Lizenz-Fahrzeugen abhebt. Angetrieben wird der 100 km/h schnelle 24 HP von einem 42 PS starken Vierliter-Vierzyliner. Verzögert wird damals noch mit zwei kleinen Trommelbremsen an der Hinterachse.

Beim 40-60 HP fertigt Alfa den Motor erstmals einen aus mehreren Teilen bestehenden Motorblock. Damals sensationell sind die obenliegenden Ventile des über sechs Liter großen Vierzylinders. Noch ist der Zylinderkopf allerdings – wie damals im Motorenbau aus produktionstechnischen Gründen erforderlich – fest mit dem Motorblock verbunden.


Rennwagen:

Bereits wenige Monate nach Beginn der Alfa-Fertigung entsteht auch eine Rennversion des 24 HP. Seine Karosserie ist spartanischer und damit deutlich leichter als die der vier- und sechssitzigen Straßenversionen. Der Motor dreht zudem 200 Umdrehungen höher (2400 U/min) und leistet dabei bis zu 45 PS.

Mit dem 22 PS starken 15 HP Corsa entsteht ab 1911 parallel zum 24 HP ein kleineres Modell, das sich für den Rennsport als ideal erweist. Die junge Firma bestreitet damit keine zwölf Monate nach Firmengründung den ersten Werkseinsatz. Schauplatz ist das damals populäre Straßenrennen in Modena.

Wie schon bei den anderen Alfa-Modellen entstehen auch vom 40-60 HP Rennversionen. Neben dem über sechs Liter großen Boliden konstruiert Merosi auch einen 4,5-Liter-Vierzyliner – passend für das neue Grand-Prix -Reglement. Dieses Triebwerk verfügt bereits über zwei obenliegende Nockenwellen und vier Ventile pro Zylinder! Allerdings verhindert der Ausbruch des ersten Weltkriegs einen Einsatz des wegweisenden Motors.


Designstudien, Prototypen:

1913 entsteht auf Wunsch des italienischen Adeligen Conte Ricotti ein Alfa Romeo mit Stromlinien-Karosserie. Zu dieser Zeit mutet das Stromlinien-Fahrzeug skurril an. Doch der auf Basis des 40-60 HP von Carlo Castagna verwirklichte 40-60 HP Aerodinamica ist wegweisend für eine Karosserieform, die sich Jahrzehnte später großer Popularität erfreuen wird. Neben der aufsehenerregenden Form findet vor allem die mit 139 km/h sensationelle Höchstgeschwindigkeit große Beachtung.

Mit Eintritt des Industriellen Nicola Romeo ändert sich ab 1915 der Firmenname: Aus A.L.F.A. wird Alfa Romeo. So prangt ab Wiederaufnahme der Produktion nach Kriegsende 1918 Alfa Romeo auf den Kühlern der Mailänder Automobile. Die nächste Änderung des Firmensignets steht 1925 an: Nach Gewinn des WM-Titels schmückt sich das Zeichen mit dem Kreuz Mailands, der Schlange der Visconti und den Savoyer Knoten auch mit einem Lorbeerkranz.


1920 – 30

Serienfahrzeuge:

Mit dem RL beginnt die erste Nachkriegsepoche für die mittlerweile auf den Namen Alfa Romeo hörende Firma. Der 1922 vorgestellte RL ist das erste Modell mit einem Sechszylinder. Der Reihenmotor mobilisiert aus seinen knapp drei Litern Hubraum bei 3200 U/min 56 Pferdestärken. Alfa Romeo liefert – wie damals üblich – die fertigen Fahrgestelle an verschiedene Karosseriebauer, die den Wagen dann nach Kundenwünschen mit einer Karosserie versehen. 1923 leitet Alfa den vierzylindrigen RM vom RL ab und hat damit auch ein kleineres Modell im Angebot. Beide Fahrzeuge dienen gleichermaßen als Fortbewegungsmittel und Sportgeräte: Zahlreiche ihrer wohlhabenden Besitzer starten mit ihnen bei den damals populären Straßenrennen.

1927 beginnt die große Zeit des erfolgreichen 6C 1500. Es ist der erste in Serie hergestellte Wagen mit obenliegenden Ventilen. Konstrukteur des kleinen Sechszylinders ist Vittorio Jano. Dem 1500er folgt der 6C 1750 . Auch er ist – wie sein Vorgänger – wahlweise mit oder ohne Kompressoraufladung lieferbar. Während luxuriöse Varianten – wie der Flying Star von Zagato oder verschiedene Touring-Entwürfe – bei damaligen Schönheitswettbewerben für Furore sorgen, sammeln die von Zagato mit einer leichten Spider-Karosse versehenen 6C 1750 Rennsiege.

Rennwagen:

Enzo Ferrari versucht sich als Rennfahrer. Nach zwei Rennen wird er von Alfa Romeo als Werksfahrer verpflichtet. Sein erster Werkseinsatz ist die Targa Florio 1920. Ferrari beendet das sizilianische Straßenrennen mit seinem 20-30 HP als Zweiter.

Bei der Targa Florio 1923 erreichen drei RL das Ziel auf den Plätzen eins, zwei und vier. Und auch bei der ersten Mille Miglia, vier Jahre später, gelten die RL SS als haushohe Favoriten. Die „Mille“ gewinnt Alfa Romeo indes erst im Folgejahr. Insgesamt bestimmen die Wagen mit der Schlange im Wappen das legendäre Langstreckenrennen allerdings bis Ende der 40er Jahre. Ihre Fahrer hören auf so klangvolle Namen wie Campari, Nuvolari oder Varzi. Auch Fangio greift Anfang der 50er bei der „Mille“ erfolgreich für Alfa Romeo ins Lenkrad, doch zu jener Zeit konzentriert sich die in der Formel 1 erfolgreiche Marke mit seriennahen Rennwagen auf Klassensiege.

Mit dem ersten von Vittorio Jano entworfenen Alfa Romeo, dem P2 gewinnt der Conte Brilli Peri 1925 zahlreiche Große Preise und letztendlich auch die erste Grand-Prix-Weltmeisterschaft für Alfa Romeo. Der P2 verfügt erstmals über eine Kompressor-Aufladung, die dem zwei Liter großen Reihenachtzylinder anfangs zu 140, später zu 155 PS verhilft. Noch 1930 gewinnt Achille Varzi mit einem modifizierten P2 die Targa Florio.

Neben den Grand-Prix-Boliden erweist sich auch der 6C 1500 als Siegertyp: Beim Mille Miglia-Sieg 1928 starten nicht weniger als acht dieser Boliden im zweiten Jahr des legendären Rennens von Brescia nach Rom und zurück. Sie erreichen alle das Ziel, der beste davon als Sieger. In den folgenden Jahren ist es dann der dominierende 6C 1750, den es für die Konkurrenz zu schlagen gilt.

Im November 1929, mitten in der Weltwirtschaftskrise, gründet Alfa Corse-Rennleiter Enzo Ferrari die Scuderia Ferrari . Ferrari ist weiterhin – wenn nun auch unter eigenem Namen – für die sportliche Einsätze der Alfa Romeo-Renner verantwortlich.


1930 – 40

Serienfahrzeuge:

Der 8C 2300 sorgt in erster Linie durch seine zahllosen Siege für Furore – allen voran die Wagen der Scuderia Ferrari. Doch während Nuvolari, Taruffi, Caracciola und Co. In den zweisitzigen Corsa-Versionen Lorbeer sammeln, wird ein Gutteil der 8C 2300-Chassis für die wohlhabende Klientel unter anderem auch mit Coupé-Karosserien versehen. Einige 8C werden von Touring, Brianza, Pinin Farina, Viotti, Castagna und anderen Karosseriebauern eigens für den Concours d`Elegance Villa d`Este mit formschönen Karosserien bestückt. Diese Fahrzeuge sind in Sammlerkreisen heute nicht minder begehrt als ihre sportlichen Brüder.

Der Sechszylinder wächst zum 6C 1900 und 6C 2300. Auch diese Modelle werden von verschiedenen Karossiers mit gelungenen Linien bedacht. Während die Stromlinienversionen sportlichen Lorbeer einheimsen, kultivieren die viertürigen 6C 2300-Modelle Alfa Romeos Tradition in der Produktion edler Limousinen. Von allerhöchster automobiler Klasse sind die edlen Versionen des hubraumerweiterten Achtzylinders, des 8C 2900.

Rennwagen:

Durch Erweiterung des 1750-Sechszylinders entsteht der achtzylindrige 8C 2300. Der Kompressor-Wagen setzt die glorreiche Zeit seines Vorgängers fort und sammelt Siege am laufenden Band. Dazu gehören Erfolge bei der Mille Miglia und Targa Florio, in Le Mans (vier Siege in Folge), Grand-Prix-Siege und Triumphe bei Bergrennen. Der auch für den alltäglichen Verkehrseinsatz geeignete Sportler dient zudem als Basis für einen GP-Rennwagen: Der Tipo B , beziehungsweise P3 verfügt über bis zu 3,8 Liter Hubraum und leistet in seiner stärksten Version 330 Pferdestärken. Er ist ein Meilenstein in Alfa Romeos Sportgeschichte. Trotz den unter Hakenkreuz-Banner startenden übermächtigen Boliden aus Deutschland gelingen den von Enzo Ferrari eingesetzten Alfa Romeo-Piloten auch in der zweiten Hälfte der 30er Jahre zahlreiche GP-Siege. Legendär ist der Erfolg, den Tazio Nuvolari mit seinem Alfa Romeo P3 beim Deutschland-GP 1935 auf der Nürburgring-Nordschleife erzielt. Die Deutschen sind auf seinen Sieg nicht vorbereitet. Nuvolari hat dagegen an alles gedacht und sogar eine Platte mit der italienischen Nationalhymne und die italienische Flagge im Reisegepäck.

Um mit den von den Nationalsozialisten geförderten Boliden mithalten zu können, entwickelt die Scuderia Ferrari für Alfa Romeo 1935 den Bimotore. Vorne und hinten arbeitet je ein Achtzylinder, Getriebe und Kupplung sind – wie der Fahrer – mittig angeordnet. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 320 km/h ist der Bimotore das schnellste Auto im Rennzirkus. Doch die Reifen halten dem Gewicht und der Leistung nicht stand. Zahlreiche Boxenstopps vereiteln mögliche Siege des 540 PS starken 16-Zylinder-Rennboliden. Bereits 1931 sammelt Alfa Romeo mit dem aus zwei Sechszylindern entstandenen Tipo A-Zwölfzylinder erste Bimotore-Erfahrungen. 1939 entstehen in Mailand darüber hinaus Zeichnungen für einen aufgeladenen Dreiliter-16-Zylinder. Tatsächlich entsteht ein Prototyp, doch zum Renneinsatz soll das knapp 500 PS starke Gefährt nie kommen.

1936 entsteht der erste richtige Zwölfzylinder . Das bis zu 430 PS starke Aggregat kommt im siegreichen Grand-Prix-Renner Tipo C 12C zum Einsatz. Zur besseren Gewichtsverteilung experimentiert Alfa Romeo mit der Transaxle-Bauweise – mit dem Getriebe an der Hinterachse.

Designstudien, Prototypen:

1938 arbeiten die Alfa-Ingenieure an einer neuen Luxus-Limousine. Der Entwicklungscode lautet S10. Interessant ist daran vor allem der 3,5 Liter große, vom Tipo 12C-Renner abgeleitete Zwölfzylinder-V-Motor. Doch der Kriegsausbruch verhindert die Serienfertigung des bis zum Prototypen gereiften großen Alfa Romeo.